Samstag, 28. November 2009

Sambaaaa!


Während ich dise Zeilen schreibe zieht gerade ein herrlicher Sambazug an meiner Tür vorbei... So ganz Klischee! Nur sind die Leute noch nicht so aufwendig verkleidet und es sind auch mehr Trommler als Tänzer, aber nichts destotrotz herrlich! Ich bin eigentlich schon auf dem Sprung zu einer Pijamaparty und musste deswegen "leider" im Schlafanzug auf der Straße tanzen. Aber es ist irgendwie gar keinem aufgefallen :)

Donnerstag, 26. November 2009

Soziale Differenzen

Gestern abend kam ich von einer Geburtstagsparty in einer übertrieben noblen Bar nach Hause, als ich vor der Eingangstür zwei Müllmänner sitzen sah (sie machten wohl gerade Pause oder so). Wie in Brasilien üblich (weil Frau und dann auch noch blond) wurde ich angestarrt und sie sagten mehrfach "hallo".
Wie üblich reagierte ich darauf nicht, denn sonst müsste ich den ganzen Tag flirtend durch die Gegend laufen, und obwohl ich eigentlich ein Mensch bin, der gerne alle grüßt, habe ich mir hier angewöhnt bei solchen "Attacken" geradeaus zu gucken und schnurstracks weiterzulaufen.
Als ich an den beiden vorbei war, sagte der eine zum anderen mit einem, nennen wir's sozialkritischen und auch noch traurigen Unterton: "Die grüßt keine Müllmänner".
Also habe ich mich umgedreht und gesagt "sorry, hi!".
Da haben die ein bisschen blöd geguckt, versteht ihr? Ich hätte sie auch ignoriert, wenn sie einen Anzug getragen und vor ihrem Benz gestanden hätten. Aber ich finde diese Situation befördert sehr eindrücklich zu Tage, wie hier die sozialen Schichten miteinander umgehen (ohne behaupten zu wollen, dass das bei uns besser wäre).

Montag, 23. November 2009

Wundervolles Wochenende

Hallo ihr Lieben!
Letzten Freitag war mal wieder ein Feiertag, weswegen wir uns um 8 Uhr morgens, nach einer viel zu kurzen Nacht, bei den Jungs getroffen haben um mit ein paar Freunden in die "Chácara" von Danielas Family zu fahren. Eine Chácara ist generell ein Haus im Wald, mit viel Platz für die ganze Großfamilie, einer Churrasqueira (Grill) und jeder Menge Ruhe. Die von Danielas Family hatte auch noch ein Heimkino, jede Menge Hängematten und einen Pool, sodass wir einen super entspannten Feiertag dort verbringen konnten.
Am Samstag morgen mussten wir uns leider schon wieder auf den Weg nach Sao Paulo machen, weil ein paar von uns schon seit Monaten im Besitz von Karten für ein Killers Konzert waren... Aber dafür verlässt man gerne die entspannte Einöde in Atibaia (so hieß der Ort zu dem die Chácara gehört)!


Meine Füße vor dem Konzert

Ich wusste nicht, dass das Konzert draußen ist, was mir hätte klar sein müssen, wenn ich die Ausmaße vorher gekannt hätte. Es regnete das ganze Wochenende, so auch am Samstag und das Konzert fand auf einer Pferderennbahn, natürlich draußen statt. Die Bühne war gigantisch, ungefähr so wie die großen Bühnen bei den Festivals in Deutschland und es waren sehr viele Leute da. Schon bei unserer Ankunft stand die Wiese völlig unter Wasser und wir mussten uns unseren Weg nach vorn durch einen knöcheltiefen See bahnen. Aber zum Glück war es warm und so war das ganze sehr lustig. Das Konzert war einfach grandios und weil wir so schön getanzt haben, war danach von unserer Kleidung nicht mehr viel zu erkennen... Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Kinderkasette "Das Matschmonster" :-)
Alles Liebe
Marlene


...und Nils und meine Füße nach dem Konzert!

Donnerstag, 12. November 2009

Heute

... wurde ich auf dem Campus, auf dem Weg zum Bus - ich trug eine Stofftasche mit ein paar Büchern über der Schuler - von einer freundlichen (brasilianischen) Studentin darauf hingewiesen, dass mein Kleid durch die Stofftasche ein bisschen hochrutschen könnte, sie hätte auch öfter so eine Tasche bei sich und habe schon derartige Erfahrungen gemacht.

Mittwoch, 11. November 2009

Ganz normaler Tag


5:40 Mein Wecker klingelt zum erstem mal
6:00 Mein Wecker klingelt zum zweiten mal, ich drücke auf snooze
6:09 Jetzt aber wirklich aufstehen
6:38 Oh schon so spät! Und irgendwie wollte ich noch bis 6:50 meine Sachen packen, frühstücken und losgehen!
7:00 Ich verlasse das Haus und gehe zum Bus
7:20 Zum Glück muss ich nicht lange auf den Bus waren – in 10 min fängt der Unterricht an. Auf dem Unigelände, als der Bus an der Mensa vorbeifährt sehe ich ein großes Schild vorbeiziehen „em greve“ - Streik! Auch das noch!
7:50 Ich komme in der Uni an - „nur“ 20 min zu spät, noch schnell Sachen aus dem Schließfach holen und in den Unterricht: „Geschichte des ökonomischen Gedankens“
9:20 Es geht direkt weiter mit „Doing Business in Brazil“, alle sind diesmal so laut, dass ich leider nicht den Steppenwolf weiterlesen kann.
11:00 Ich treffe Soraya, eine Brasilianerin aus meinem Strategiekurs, die Deutsch lernt und der ich versprochen habe für den nächsten Test mit ihr zu lernen und davor Mittagessen zu gehen. Mein Verdacht bestätigt sich: Die Mensaleute streiken, also in ein anderes Unirestaurant und statt 2R$ 8R$ bezahlen... Hoffentlich streiken die nicht lange! Letztes Semster haben sie angeblich die Hälfte des Semesters gestreikt!
11:10 Ich nehme mir vom Büffet eine gelbe Soße, wo so etwas wie Nudeln drinschwimmt, es sieht lecker aus. Wir setzten uns an einen Tisch und ich probiere: Es ist merkwürdig... wie eine Mischung aus gekochten Calamari und Hähnchen. „Was ist das?“ - „Oh das ist Rinderdarm“ - „na lecker“...
14:00 Soraya und ich beenden unsere sehr produktive Lernsession (deutsche Redewendungen) und ich laufe in der Mittagssonne die 15 min zum Freibad der Uni, weil auch die Busfahrer der uni-internen Linienbusse streiken.
15:30 Nach 20 Bahnen und einem Nickerchen fängt es an zu regnen... Schnell nach Hause.
16:40 Endlich kommt ein Bus
17:20 Aussteigen und nach Hause laufen, viel Zeit bleibt nicht
17:35 Schnell ein Brötchen essen, was ordentliches anziehen (also keine Shorts, Havaianas und Spaghettitop)
18:35 Zum Goetheinstitut sprinten. Bin noch nie von meiner Wohnung dahingelaufen und verlaufe mich erstmal.
19:00 Offizieller Beginn des Rosa Luxemburg Vortrags von der brasilianischen Philosophin und Repräsentatin der Rosa Luxemburg Stiftung.
19:10 Beginn des Vortrags. Nils ist auch da und Christoph arbeitet neuerdings als Praktikant im „Goethe“. Erledigt seinen Job kompetent. Mikro den Fragestellern geben.
21:00 Nach Hause laufen. Stelle fest, dass der Weg nur 10 min dauert.
21:30 Zu Hause über Noras Fotos schmunzeln, dann: Stromausfall, weswegen ich diesen hochgradig interessanten Blogeintrag verfassen muss, da ich eigentlich lesen wollte, aber es kein Licht gibt.
22:33 Jetzt ging's gerade wieder, aber zack – leuchtet die Internetanzeige wieder rot und es wird duster um mich rum....
22:37 Blick aus dem Fenster. Die einzigen Lichter weit und breit sind die von den Autos auf der Straße vor meinem Haus. So dunkel hab ich mein Viertel noch nie gesehen... Was wohl die U-Bahn macht...? Der quietschgrün beleuchtete Sendemast vor meinem anderen Fenster leuchtet noch! Gut, dass wir heute schon gespült haben und immer sofort unsere Sachen vom Boden aufheben, wenn irgendwas rumliegt. Taste mich durch Turnschuhe, Telefonkabel, Router, Schultaschen, Laptopkabel, Laptops, Teller, Thermoskannen etc.
22:53 Ich habe es ins Bett geschafft. Gut, dass ich mir keine Gedanken darüber machen muss, wie ich von meinem Bett das Licht auskriege. Gute Nacht! (so früh war ich hier noch nie schlafen!)
24:13 Ich wache von lautem Gelächter auf. Meine Mitbewohner sitzen bei Kerzenschein im Wohnzimmer und hören Radio: In 5 Bundesstaaten ist der Strom ausgefallen.

Keine Angst, das alles ist auch hier nicht normal ;-)



P.S. Am nächsten Morgen: In Teilen Sao Paulos ist der Strom angeblich um 4h morgens erst wieder angegangen. Tausende Menschen sind diese Nacht auf dem Nachhauseweg in der Stadt "gestrandet" und kamen nicht nach Hause. Die Zahl der Bundesstaaten ohne Strom stieg noch auf 10, gemäß globo.com. Trotzdem lief alles sehr zivilisiert ab: Die Zahl der Polizisten wurde spontan um 500-1000 (abweichende Angaben) erhöht und die Zahl der Gewalttaten stieg nicht an. Seht selbst: http://www.youtube.com/watch?v=pJQDeF6ZULw

P.P.S. Ich habe ein neues Wort gelernt: "blecaute" = blackout (sprich: bleekautschie)

P.P.S. Das Bild ist von Globo.com - Sao Paulo ohne Licht
Ein ähnlicher Fall, den ich letztens sah ist "repiauer"... Ob wer rauskriegt, um was es sich handelt? Ich bin gespannt auf eure Vorschläge!

Donnerstag, 5. November 2009

Jogos - Spiele


Letztes Wochenende (Montag war mal wieder ein Feiertag) sind Martina, Nils und ich (von den Austauschleuten) mit der "Bateria" zu den sportlichen Wettkämpfen der Ernährungswissenschaftler (=die Nutris) gefahren. Eine Bateria ist eine mehr oder weniger große Gruppe von Leuten (wir waren ca. 50), die trommeln, rasseln und Krach machen was das Zeug hält. Es gibt sie in den Sambaschulen, aber auch an den Unis - bei uns hat fast jede Fakultät eine, die dann bei Wettkämpfen ihre jeweiligen Teams anfeuert. Ihr werden euch jetzt wahrscheinlich fragen, warum die Bateria der Ökonomen die Ernährungswissenschaftler anfeuert - so genau weiß ich das auch nicht, aber anscheinend haben sie keine eigene oder wir sind einfach so gut, dass sie uns mitgenommen haben ;-)
Die Jogos (Wettkämpfe) waren in einer kleinen Stadt in der Pampa des Staates São Paulo namens São Pedro. Am Freitag Abend, bzw. eher um Mitternacht, versammelte sich unsere ganze Bateria auf dem Unigelände um die 150 km Busfahrt im Voraus bei einer kleinen Hawaiparty auf dem Parkplatz zu begießen. Ich denke, die Ausmaße dieses "Antrinkens" werden auf den Bildern deutlich...
Mit dem Bus fuhren wir nachts also in jenes São Pedro, wo wir in einer Grundschule übernachten durften. Wir hatten zu 50st 2 Klassenräume, wobei in meinem gefühlte 40 Personen nächtigten, wovon die Mehrzahl auch noch Jungs waren. Nach einer schlaflosen Nacht (wir hatten da noch einen von den Holländern getroffen, der NICHTS dabei hatte und Martinas und meine Isomatte in Beschlag nahm), wurden wir von einer histerischen japanisch-brasilianischen Nutrifrau geweckt und angetrieben uns fertig zu machen. Wir hatten kaum Zeit zum frühstücken, dann wurden wir auch schon wieder in den Bus verfrachtet und zu einem Schwimmbad gekarrt, wo wir bis zum späten Nachmittag rumsaßen und die hochgradig langweiligen Wettkämpfe angucken mussten. Trommeln durften wir da nicht. Danach kam der Lichtblich des Tages: Die Open-Bar (=Flatratesaufen) wurde eröffnet, und die Jungs, die am Pool die ganze Zeit mit Megafonen ein paar sich bräunende Damen "angeflirtet" hatten, hatten noch mehr Spaß.
Am nächsten Tag mussten wir früh aufstehen, um zu trommeln. Leider wurde daraus nichts, weil unser Bus auf dem Weg von unserer "Herberge" zur Turnhalle einen kleinen Unfall hatte: Der Busfahrer musste einem entgegenkommenden Laster ausweichen und streifte dabei einen nicht ganz kleinen Ast so leicht, dass die komplette rechte Fensterreihe zertrümmert wurde und alle danach mehr oder weniger schlimme Schnittverletzungen von den ganzen Glassplittern hatten. Zum Glück wurde niemand schlimmer verletzt, sodass wir nachmittags, als alle sich ein wenig beruhigt hatten, zum Trommeln (und zur Open-Bar) fahren konnten.
Es sollen zwar nicht die besten Jogos gewesen sein (sagten uns die alten Hasen), aber besonders am Sonntag war das Flair zeitweise grandios: Die Baterias der verschiedenen Teams (wir waren bei weitem die größte) jammten draußen in der Mittagssonne bei Bier und Daiquiris und alle waren am Tanzen und Spaßhaben.
Am Sonntagabend ging es dann nochmal richtig los: Kostümparty - meine dritte seit ich hier bin, ich glaube, die Brasilianer stehen darauf! Da ging's natürlich weiter mit Open-Bar (was denkt ihr denn) mit Maracuja-, Limetten-, Erdbeer-, Ananas-, Weintrauben- etc. Caipirinha, Bier, Vodka... ohoh ich habe es schon wieder verdrängt!
Montag mussten wir wieder trommeln, aber ich war leider nicht mehr dazu in der Lage. Ich spiele ein Instrument das Ganzo (oder so) heißt. Es ähnelt einer Mischung aus Gemüsereibe und Rassel, macht unglaublichen Lärm und man muss es noch unglaublich schneller "shaken", was mir sehr sehr viel Feinmotorik abverlangt ;-)
So, das war's erstmal wieder von meinem letzten Wochenendabenteuer, gehabt euch wohl! Ich drück euch!

***************FOTOS************************

...gibt's hier:
Mein Picasa Webalbum