Mittwoch, 11. November 2009

Ganz normaler Tag


5:40 Mein Wecker klingelt zum erstem mal
6:00 Mein Wecker klingelt zum zweiten mal, ich drücke auf snooze
6:09 Jetzt aber wirklich aufstehen
6:38 Oh schon so spät! Und irgendwie wollte ich noch bis 6:50 meine Sachen packen, frühstücken und losgehen!
7:00 Ich verlasse das Haus und gehe zum Bus
7:20 Zum Glück muss ich nicht lange auf den Bus waren – in 10 min fängt der Unterricht an. Auf dem Unigelände, als der Bus an der Mensa vorbeifährt sehe ich ein großes Schild vorbeiziehen „em greve“ - Streik! Auch das noch!
7:50 Ich komme in der Uni an - „nur“ 20 min zu spät, noch schnell Sachen aus dem Schließfach holen und in den Unterricht: „Geschichte des ökonomischen Gedankens“
9:20 Es geht direkt weiter mit „Doing Business in Brazil“, alle sind diesmal so laut, dass ich leider nicht den Steppenwolf weiterlesen kann.
11:00 Ich treffe Soraya, eine Brasilianerin aus meinem Strategiekurs, die Deutsch lernt und der ich versprochen habe für den nächsten Test mit ihr zu lernen und davor Mittagessen zu gehen. Mein Verdacht bestätigt sich: Die Mensaleute streiken, also in ein anderes Unirestaurant und statt 2R$ 8R$ bezahlen... Hoffentlich streiken die nicht lange! Letztes Semster haben sie angeblich die Hälfte des Semesters gestreikt!
11:10 Ich nehme mir vom Büffet eine gelbe Soße, wo so etwas wie Nudeln drinschwimmt, es sieht lecker aus. Wir setzten uns an einen Tisch und ich probiere: Es ist merkwürdig... wie eine Mischung aus gekochten Calamari und Hähnchen. „Was ist das?“ - „Oh das ist Rinderdarm“ - „na lecker“...
14:00 Soraya und ich beenden unsere sehr produktive Lernsession (deutsche Redewendungen) und ich laufe in der Mittagssonne die 15 min zum Freibad der Uni, weil auch die Busfahrer der uni-internen Linienbusse streiken.
15:30 Nach 20 Bahnen und einem Nickerchen fängt es an zu regnen... Schnell nach Hause.
16:40 Endlich kommt ein Bus
17:20 Aussteigen und nach Hause laufen, viel Zeit bleibt nicht
17:35 Schnell ein Brötchen essen, was ordentliches anziehen (also keine Shorts, Havaianas und Spaghettitop)
18:35 Zum Goetheinstitut sprinten. Bin noch nie von meiner Wohnung dahingelaufen und verlaufe mich erstmal.
19:00 Offizieller Beginn des Rosa Luxemburg Vortrags von der brasilianischen Philosophin und Repräsentatin der Rosa Luxemburg Stiftung.
19:10 Beginn des Vortrags. Nils ist auch da und Christoph arbeitet neuerdings als Praktikant im „Goethe“. Erledigt seinen Job kompetent. Mikro den Fragestellern geben.
21:00 Nach Hause laufen. Stelle fest, dass der Weg nur 10 min dauert.
21:30 Zu Hause über Noras Fotos schmunzeln, dann: Stromausfall, weswegen ich diesen hochgradig interessanten Blogeintrag verfassen muss, da ich eigentlich lesen wollte, aber es kein Licht gibt.
22:33 Jetzt ging's gerade wieder, aber zack – leuchtet die Internetanzeige wieder rot und es wird duster um mich rum....
22:37 Blick aus dem Fenster. Die einzigen Lichter weit und breit sind die von den Autos auf der Straße vor meinem Haus. So dunkel hab ich mein Viertel noch nie gesehen... Was wohl die U-Bahn macht...? Der quietschgrün beleuchtete Sendemast vor meinem anderen Fenster leuchtet noch! Gut, dass wir heute schon gespült haben und immer sofort unsere Sachen vom Boden aufheben, wenn irgendwas rumliegt. Taste mich durch Turnschuhe, Telefonkabel, Router, Schultaschen, Laptopkabel, Laptops, Teller, Thermoskannen etc.
22:53 Ich habe es ins Bett geschafft. Gut, dass ich mir keine Gedanken darüber machen muss, wie ich von meinem Bett das Licht auskriege. Gute Nacht! (so früh war ich hier noch nie schlafen!)
24:13 Ich wache von lautem Gelächter auf. Meine Mitbewohner sitzen bei Kerzenschein im Wohnzimmer und hören Radio: In 5 Bundesstaaten ist der Strom ausgefallen.

Keine Angst, das alles ist auch hier nicht normal ;-)



P.S. Am nächsten Morgen: In Teilen Sao Paulos ist der Strom angeblich um 4h morgens erst wieder angegangen. Tausende Menschen sind diese Nacht auf dem Nachhauseweg in der Stadt "gestrandet" und kamen nicht nach Hause. Die Zahl der Bundesstaaten ohne Strom stieg noch auf 10, gemäß globo.com. Trotzdem lief alles sehr zivilisiert ab: Die Zahl der Polizisten wurde spontan um 500-1000 (abweichende Angaben) erhöht und die Zahl der Gewalttaten stieg nicht an. Seht selbst: http://www.youtube.com/watch?v=pJQDeF6ZULw

P.P.S. Ich habe ein neues Wort gelernt: "blecaute" = blackout (sprich: bleekautschie)

P.P.S. Das Bild ist von Globo.com - Sao Paulo ohne Licht
Ein ähnlicher Fall, den ich letztens sah ist "repiauer"... Ob wer rauskriegt, um was es sich handelt? Ich bin gespannt auf eure Vorschläge!

1 Kommentar:

  1. Das hoert sich ja nach einem wirklich interessanten tag an... ich war heute uebrigens im goethe... hier bei mir gleich um die ecke wenn man so will... es war eine austellung ueber die jugend in deutschland.. dabei waren viele thailaendische schueler, von denen einige erstaunlich gut deutsch konnten, was wohl nicht zuletzt daran alg, dass sie ein jahr oder immerhin einige zeit in deutschland waren... war sehr witzig wie ich fand.. es gab auch kartoffelsalat und wurstchen... meine neugelernten woerter fuer heute (ich lerne immer sehr viele aber ich vergesse auch immer seeeeehhhhhr viele "sehr frustrierend") nit- tat- sa- gan, was ausstelolung bedeutet, sa-taa-ban, was institution bedeutet.... und so einiges mehr.. es ist blos so, dass ich staendig nach irgendwelchen woertern frage und mir auch unglaublich viel aufschreibe, das aber sehr schwer zu lernen ist, da es in thai fuer eine sache unter umstaenden 100 bedeutungen gibt ganz zu schweigen von der korrekten aussprache.... naja mach es gut mein schatz.. ich hoffe ich lerne irgendwann mal spanisch oder portugiesisch :D

    AntwortenLöschen